Quantensprung in Genauigkeit

April 7, 2022 - Schleifen, Hardinge Blog
ROEHM_GESAMTPRODUKTBILD

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Quantensprung in Genauigkeit

Autorin: Andrea Jäger (Text und Fotos)

Die Röhm GmbH blickt als Hersteller von Werkzeug- und Werkstückspannsystemen auf eine über 100-jährige Geschichte zurück, in der das Unternehmen stetig gewachsen ist und heute mit drei Fertigungsstätten in Deutschland und 1300 Mitarbeitern weltweit die internationalen Märkte bedient. Im Stammwerk in Sontheim/Brenz werden mit 750 Mitarbeitern auf 41.000 qm vor allem technologieorientierte Systemlösungen für Branchen wie die Automobilindustrie, den Maschinenbau, die Luft- und Raumfahrt und viele andere gefertigt. Die dafür benötigten Teile werden unter anderem auf Premium-Schleifmaschinen der Marke Kellenberger bearbeitet.

In der langen Firmengeschichte war ausgerechnet eine interne Krise schuld an einem Umsatzrückgang, der das Unternehmen Röhm fast an den Abgrund gebracht hätte. Nach schwierigen Jahren brachte der Verkauf des Unternehmens an die österreichische Helmut-Rothenberger-Gruppe im September 2017 die Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser. Für Gerhard Glanz, der nach der Übernahme sowohl CEO als auch Mitgesellschafter bei Röhm wurde, passte das Portfolio von Röhm hervorragend in die bestehenden Geschäftsbereiche der Rothenberger Holding, die mit über 100 operativen Gesellschaften, u.a. im Bereich Werkzeugmaschinen ein Umsatzvolumen von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Mit einem umfangreichen Restrukturierungsprojekt schaffte Glanz innerhalb weniger Monate den „Turnaround“, brachte bei Mitarbeitern und Kunden das Vertrauen zurück und Röhm wieder in die Gewinnzone. Um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen wurde eine Investitionssumme von mehreren Millionen Euro bereitgestellt, die in neue Maschinen und Anlagen flossen. Vorgabe war, dass die Röhm High-Tech-Produkte in Zukunft in noch besserer Qualität kostengünstiger produziert werden sollten.

Made in Germany gepaart mit Swiss Made

Für Segmentmeister Alexander Scheitenberger und seine 35 Mitarbeiter kam die Investition genau zur richtigen Zeit. In Scheitenbergers Abteilung werden Werkzeugspannsysteme gefertigt. 40% der Produktion sind dabei kundenspezifische Sonderausführungen. Der gelernte Industriemechaniker ist bereits seit 1990 bei Röhm und kennt sämtliche Bearbeitungsvorgänge sowie das Röhm-Portfolio, das u.a. Bohrfutter, Körnerspitzen, Drehfutter und Schraubstöcke, Robotergreiftechnik, Kraftspannfutter, Spannzylinder, Spanndorne und Werkzeugspannsysteme umfasst bestens.

Die zum Schleifen der Teile eingesetzte Kellenberger KEL-VARIA mit Spitzenweite 1000 mm war seit 18 Jahren im Einsatz. Nun waren für wichtige Komponenten keine Ersatzteile mehr verfügbar, eine Ersatzinvestition damit unvermeidlich geworden. Für Scheitenberger und Produktionsleiter Erhard Bader war schnell klar, dass die neue Maschine wieder eine Kellenberger sein sollte. „Wir hatten mit der KEL-VARIA sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Prozesssicherheit der Maschine über die Laufzeit hinweg waren herausragend.  Darüber hinaus zeichnet sich die Zusammenarbeit mit Kellenberger seit jeher durch eine hohe Professionalität im Ablauf aus. Erich Ziegler, der für uns zuständige Kellenberger-Gebietsleiter hat uns bei der Neubeschaffung hervorragend beraten.“ Im Kellenberger Produktportfolio gibt es seit 2018 gleich zwei Maschinenkonzepte, die in Frage gekommen wären. Für die Bearbeitungsaufgaben bei Röhm erwies sich das neue Plattformkonzept Kellenberger 100 als beste Lösung, zumal eine speziell auf die Maschine abgestimmte Automatisierungslösung des Schweizer Herstellers Wenger verfügbar war.

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Segmentsmeister Alexander Scheitenberger (rechts) und Produktionsleiter Erhard Bader sind sehr  zufrieden mit der Entscheidung für die KELLENBERGER 100

 

Vielseitige Plattformlösung

Die Aufgabenstellung bezüglich der Kellenberger 100 an die Ingenieure im schweizerischen St. Gallen war die Entwicklung einer Plattform auf der unterschiedliche Maschinenkonzepte mit starker Kundenorientierung verwirklicht werden können. Das Segment der leistungsfähigen preisgünstigen Schleifmaschinen innerhalb der Gruppe wurde dabei in das Konzept eingebunden. Die modulare Lösung auf einer gemeinsamen Plattform und ein neues Montagekonzept zur Reduktion der Durchlaufzeit ermöglichen eine kostenoptimierte Fertigung der Maschine und damit ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Das Maschinenkonzept wurde unter Mitwirkung der Serviceabteilung optimiert. Die Möglichkeit eines schnelleren Wartungs- und Servicevorgangs sowie die beste Zugänglichkeit der wartungsintensiven Komponenten sind damit gegeben.

 Bearbeitung mit RÖHM Zentrierspitzen in Hochgenauigkeitsausführung
auf der KELLENBERGER 100

Die KELLENBERGER 100 bietet dank einer Vielzahl serienmäßig erhältlicher Optionen vielfältigste Konfigurationsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Schleifoperationen. Die Maschine ist in den Spitzenweiten 1000/600 mm und Spitzenhöhe 200 mm verfügbar und für Werkstückgewichte bis 150 kg konzipiert. Eine höhere Antriebsleistung der Schleifscheibe (11,5 kW) sorgt für eine gesteigerte Produktivität, die neu konzipierte Z-Führung für eine höhere Profilgenauigkeit. Die C-Achse mit Direktantrieb bringt eine höhere Genauigkeit beim Unrundschleifen. Bei Röhm entschied man sich für eine Maschine mit Spitzenweite 1000 mm.

Die K100 verfügt über einen neu entwickelten kollisionsfreien Tandem-Schleifkopf mit Motorspindeln in kompakter Bauweise. 10 Schleifkopfvarianten zur optimalen Auslegung der Maschine bezogen auf die zu bearbeitenden Teile stehen zur Verfügung. Die verstärkte Verschalung erlaubt größte Schleifscheibendurchmesser beim Innenschleifen (bis 125 mm).

Das bedienerfreundliche ergonomische Design der KELLENBERGER 100 Maschinen wird ergänzt durch eine einfache Bedienerführung, die über eine intuitive Touchscreen-Oberfläche erfolgt. Die Maschinen sind ausgestattet mit der CNC-Steuerung Fanuc 31i mit 19″-Touch-Screen. Unterschiedliche fertige Softwarelösungen ­sind im Standard enthalten oder können optional eingefügt werden. Sie decken die Bearbeitung einfacher Werkstücke ab, sind mit visualisierter Werkstückprogrammierung für komplexe Werkstücke in kürzester Bearbeitungszeit oder für das Erstellen von komplexen Konturen und Profilen konzipiert.

 

 

Lader ist intelligente Lösung

Die KELLENBERGER 100 eignet sich ideal für die unterschiedlichsten Automatisierungslösungen.  Der Schweizer Automationsspezialist Wenger hat speziell für die K100 die Automatisierungslösung WeFlex für Futter- und Wellenteile entwickelt. Der WeFlex Lader ermöglicht die automatisierte Bearbeitung von Wellenteilen Ø 6 – 100 mm, L = 20 – 600 mm, max. Greifdurchmesser = 80 mm und Futterteilen Ø 4 – 100 mm, L = 15 – 100 mm, max. Greifdurchmesser = 80 mm mit Werkstückgewichten von max. 5 kg im Wechselbetrieb, max. 15 kg im Einzelteilbetrieb. Wechselbare Greiferköpfe für das Schnellumrüsten zwischen Wellen- und Futterteilen sind optional verfügbar. Im Stapelmodul stehen 8 Palettenplätze der Größe 400 x 600 mm zur Verfügung. In den Palettenrahmen können Einsätze für Wellen- oder Futterteile eingesetzt werden. Für Erhard Bader und Alexander Scheitenberger eine ideale Lösung.

 

 Innenraum WeFlex-Lader mit Linienportal und Palettenwechsler

Die Beladung der Maschine erfolgt über ein Teleskop-Linienportal. Eine automatische Luke schließt den Maschinenraum während der Bearbeitung ab, um die thermische Stabilität der Maschine zu gewährleisten. Direkt bei der Einspeisung werden Strom und Druckluft erfasst, womit der Energieverbrauch des WeFlex aufgezeichnet und visualisiert wird. Um den Energieverbrauch zu reduzieren, wird die Geschwindigkeit des WeFlex automatisch der Taktzeit der Bearbeitungsmaschine anpasst. Ein bildgeführter Einrichtassistent unterstützt den Bediener beim Umrüsten auf ein neues Werkstück. Zur Inbetriebnahme kam Firmenchef Michael Wenger persönlich, Schulungen der Mitarbeiter bei Kellenberger folgten. Eine Woche nach Inbetriebnahme wurde der 3-Schichtbetrieb wieder aufgenommen. „Der Lader arbeitet sehr zuverlässig“ sagt Alexander Scheitenberger. “Wir hatten bis jetzt keinerlei Stillstände.“

Erwartungen wurden weit übertroffen

Im Leistungspaket ist auch die Fernwartung der Maschine enthalten. Und: kleinere Servicearbeiten werden bei Röhm intern geregelt. „Einige Mitarbeiter haben bei Kellenberger eine Serviceschulung mit Focus auf der neuen Maschine durchlaufen, so dass sie kleinere Reparaturen selbst durchführen können.“ so Scheitenberger. „Es muss nicht wegen einer Kleinigkeit das Kellenberger Serviceteam gerufen werden. Wenn man den Service aber doch einmal braucht, ist er schnell und zuverlässig.“

Das Fazit von Alexander Scheitenberger und seinen Kollegen ist sehr positiv: „In Punkto Genauigkeit hat die neue Maschine uns einen Quantensprung gebracht. Wir schleifen heute mit einer Genauigkeit von 2 µm prozesssicher. Die Oberflächengüte der bearbeiteten Werkzeugspanner ist so gut, dass bei gleichen Polierzeiten die Ergebnisse um ein Vielfaches besser sind, von Ra 0,3-0,4 µm jetzt unter Ra 0,1.“ Und er ergänzt zufrieden: „Aufgrund der größeren Schleifscheibe und weil die neue Maschine einfach schneller ist als die alte haben wir eine Produktivitätssteigerung von 25%. Dazu kommen 30% geringere Personalkosten, weil aufgrund der Automatisierung ein Bediener für zwei Maschinen ausreicht.“ Besser geht es nicht!

 Zerspanungsmechaniker Andreas Oszfolk kennt sich im Schleifen aus. Er bedient zwei Kellenberger-Maschinen u.a. die K100 mit Automatisierung

 

i ANWENDER

Röhm GmbH D-89567 Sontheim/Brenz

Tel. : + 49 7325 16-0

www.roehm.biz

 

i HERSTELLER

HARDINGE/L. KELLENBERGER & Co. AG CH-9008 St. Gallen

Tel. : +41 71 242 91 11

www.kellenberger.com

www.hardinge.com

 

Andrea Jäger ist freie Fachjournalistin in Murrhardt, Deutschland.
jaeger@diejaegerin-wv.de

 

 

 

 

 

 

 

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